Der 1. Platz - und die damit verbundenen 2.000 Euro - gehen an Mario Brück für den Beitrag "Wir sind Weltmeister" erschienen in der Wirtschaftswoche, Ausgabe 19/2007.
Nach Lektüre dieses Beitrages kann sich der Leser beruhigt im Sessel zurücklehnen: Es geht der deutschen Wirtschaft besser als der muffig-depressive Grundton es in diesem Land vermuten lässt. Und das Dank des deutschen Mittelstandes. Damit erfüllt dieser Beitrag schon einmal das wichtigste Kriterium dieses Journalistenpreises.
Aber der Beitrag leistet noch mehr: Der Leser lernt daraus eine ganze Menge. Wir wissen längst, dass der Mittelstand Träger unsers wirtschaftlichen Erfolges ist. Aber was steckt dahinter? Wir erfahren, dass der Mittelstand die "Klaviatur der Globalisierung" sehr wohl beherrscht. Wir stellen fest, dass unter den 1.300 Weltmarktführern rund 800 sich in Familienbesitz befinden - und dass das sogar gut ist, weil viele dieser Unternehmen sich ein professionelles Management ins Haus geholt haben. Sie beherrschen außerdem ihre Nische und verfügen über "operative Exzellenz". Und besonders erfreulich ist es, dass in den 200 deutschen Clustern die räumliche Nähe von Wissenschaft und Wirtschaft Innovationen besonders fördert.
Mario Brück hat uns und der mittelständischen Wirtschaft einen großen Gefallen getan. Statt ängstlich auf die Dynamik der industriellen Schwellenländer fixiert zu sein, ermuntert er uns zur Besinnung auf die eigenen Stärken. Wir lernen viel aus diesem außergewöhnlich langen Beitrag. Mario Brück fesselt den Leser. Das ist in unserer auf Sekundentakt getrimmten Aufmerksamkeitskultur besonders erwähnenswert. "Wir sind Weltmeister" sagt, was gesagt
werden muss, immer wieder, weil wir sonst in Deutschland aus den Augen verlieren, was Grundlage unseres wirtschaftlichen Erfolgs ist.
Platz 2 geht an Harald Willenbrock für seine Geschichte "Bauernopfer", die im Magazin brand eins (11/2006) nachzulesen ist.
Es geht eigentlich nicht um etwas wirklich Aufregendes, es geht um ein Allerweltsprodukt: um Zucker. Doch brandeins-Autor Harald Willenbrock macht was draus. Eine spannende und vor allem sehr gut lesbare Geschichte, lebendige Reportage und durchrecherchierter Hintergrund in einem. Willenbrock erzählt die Geschichte eines deutschen Rübenbauern, der sich eingerichtet hat in der europäischen Zuckermarkt-ordnung, sich auskennt mit Garantiepreisen, Exporterstattungen und Zöllen. Und für den nun alles anders wird, dem der schrittweise Abbau des geregelten Zuckermarkts seine bisherige Überlebensgrundlage entzieht. Willenbrock beschreibt aber nicht nur das - nicht nur die Geschichte dieses Unternehmers, sondern er erzählt ein Kapitel Globalisierung, berichtet von den zwei Seiten einer Medaille und dies ohne erhobenen Zeigefinger und ohne Empörung auf der einen, oder Begeisterung auf der anderen Seite. Und es funktioniert auch ohne diese Waffen, es funktioniert mit kompetenter Neugier, engagierter Distanz und feiner Erzählkunst in bester brandeins-Tradition. Wer bisher tatsächlich dachte, Zucker sei ein Allerwelts-produkt, wird von Willenbrock eines Besseren belehrt.
Über ein Mittelstandsthema ganz anderer Art berichtet Boris Karkowski in seinem Beitrag "New York vs.Oldenburg", erschienen im Magazin Finance 7/2007.
Es geht um "Activist Hedgefonds". Das sind 100 der 9.000 Hedgefonds, die keinesfalls angetreten sind, rechtschaffene und grundsolide Unternehmen um des kurzfristigen Profits willen auszuplündern.
Boris Karkowskis Beitrag verfällt nicht in modische Heuschrecken-Litanei. Er erzählt die Geschichte sachlich und straff durch. Er lockert sie mit hoch informativen Tabellen und der Schilderung einzelner Beispiele auf. So wird ein komplexes und emotional hoch aufgeladenes Thema handhabbar, ohne dabei auf unzulässige Weise zu vereinfachen. Die Botschaft ist klar: Es geistert viel Kapital auf dem Weltmarkt herum auf der Suche nach profitabler Anlagemöglichkeit. Zunehmend gerät dabei auch der deutsche Mittelstand ins Visier. Er sollte aufpassen.
Vor allem aber - und das arbeitet der Autor besonders gut heraus - sollte sich das Management selbst kritisch prüfen, denn die Fondmanager setzen nicht ohne Grund bei den Schwachstellen an. Am Ende wird der Leser nicht mit einer fertigen Meinung entlassen. Schlussfolgerungen kann er selbst ziehen: Handelt es sich bei den "Activist Hedgefonds" um einen extremen Auswuchs des entfesselten Kapitalismus oder nur um eine Zeiterscheinung? Nach der Lektüre des Beitrags hat der Leser ein ungutes Gefühl. Die Sinne werden geschärft. Boris Karkowski hat einen Beitrag verfasst, den man zur Lektüre sehr empfehlen kann und
erhält dafür den dritten Preis.
Den von der Deutschen Post präsentierten Nachwuchssonderpreis erhält Eva Wolfangel.
Ihr ist es in einer Beilage der Esslinger Zeitung vom 24. März 2007 gelungen, das Thema Existenzgründung mit einem Mix aus drei interessanten Gründergeschichten und einem Interview mit Fraunhofer-Präsident Hans-Jörg Bullinger lebendig und nutzwertig zu publizieren. Dabei verdient besonders hervorgehoben die gute Lesbarkeit aller Einzelbeiträge sowie die konsequente intellektuelle Führung des Lesers auf die wichtigsten Überzeugungsabsichten der Autorin: Gründen lohnt sich; Erfolge fallen nicht vom Himmel; Deutschland macht es Gründern nicht eben leicht. Die journalistische Gesamtleistung hat die Jury deshalb bewogen, Eva Wolfangel den Nachwuchs-Sonderpreis zuzuerkennen.
Gewinnerin in der Kategorie Hörfunk ist Pia Fruth mit ihrem am 2. Januar 2007 im SWR gesendeten Beitrag "Auf nach Indien - Südwestdeutsche Firmen erobern neue Märkte" - klassisches Radio at its best.
Das Thema ist gut gewählt: Indien macht Angst, Indien macht Hoffnungen - den mit großen Kampagnen umworbenen Touristen, aber eben auch den Unternehmen. Umso spannender ist es, sich mit Pia Fruth über das Land zu informieren, gemeinsam mit ihr einen Mittelständler, den Zahntechniker Rainer Braindl, auf seinem Weg nach Poohna, dem "Bombay for beginners", zu begleiten, sich dort ein wenig umzusehen und umzuhören und weitere Deutsche vor Ort kennen zu lernen.
Und wenn Rainer Braindl am Ende plant, ein Labor in Indien aufzubauen, aber keinesfalls dort leben möchte und auch in Deutschland nichts abbauen wird - so hat man am Ende sogar gelernt, dass zwischen Deutschland und Indien kein ausschließendes "oder" stehen muss, sondern auch ein "und" stehen kann. Beides zusammen ist möglich oder sogar wahrscheinlich - und der Mittelstand eine unternehmerische Welt, die gerade mit ihrem Mut zum Aufbruch der heimischen Gesellschaft den Rücken stärkt.
Den mit 1000 Euro dotierten 2. Platz belegt Karsten Böhne mit seinem Hörfunkbeitrag "Tischlern, Malern, Tapezieren", gesendet auf Radio Bayern 2 am 5. und 6. März 2007.
Karsten Böhne hat sich eingelassen - auf den schmucklosen Alltag der handwerklichen Kleinstbetriebe. In seiner Nahaufnahme - "Tischlern, Malern, Tapezieren - Überleben als Ein-Mann-Betrieb" porträtiert er Menschen, die sich weder für Idealisierungen noch für große Erzählungen oder auch nur Legenden eignen.
In mehreren Annäherungen schildert Karsten Böhne den Mut, die Enttäuschungen, die Einsamkeiten und Kollegialitäten unter Kleinstunternehmern, ihren Gestaltungs- und die Improvisationskraft, ihren kleinen Heroismus - und nimmt die Hörer auf diesen Spiralbewegungen ins Herz der Selbständigkeit mit. - Ein akustisches Lehr- und Lernbuch, das menschliche Aufmerksamkeit fordert und belohnt.
Tim Gorbauch erhält für den Beitrag "Bionade - Das Biowunder aus der Röhn" gesendet am 20. Januar 2007 im ZDF, den ersten Preis.
In seinem Film erzählt Tim Gorbauch die wirklich wundersame Bionade-Geschichte.
Eine Geschichte, von einem Brauer-David, der den Getränke-Goliaths die Stirn bietet.
Eine Geschichte, über die Chancen einer guten Idee in einer freien Marktwirtschaft.
Eine Geschichte darüber, dass Ökologie und Ökonomie durchaus zusammenpassen.
Allein die Story ist schon einen Preis wert.
Passt sie doch wie keine andere Wirtschaftsgeschichte des letzten Jahres in den Zeitgeist von Klimaschutz und Heiligen Damm.
Es liegt aber nicht nur an der guten Geschichte, dass daraus ein sehr guter Film wurde.
Es liegt auch daran, wie sie erzählt wird: effektvoll, aber nicht effekthascherisch, mit unheimlich starken Bildern, und mit ausführlichen Statements der Protagonisten - oder sollte man sagen der Helden aus der Röhn. Denn jedes Wunder hat seine Helden. So auch das Bio-Wunder.
Tim Gorbauch macht mit dieser Geschichte hoffentlich vielen anderen Mut, ihre Ideen, Widerständen zum Trotz, umzusetzen.
Den 2. Platz in der Kategorie TV belegen Klaus Bardenhagen und Christoph Lixenfeld mit ihrem Beitrag "Kammerterror", gesendet im ARD Magazin plusminus am 24. April 2007.
Dieser bestätigt mal wieder, was wir immer schon wussten oder ahnten: dass Handwerkskammern so ihre Probleme mit der freien Marktwirtschaft haben.
Die Reform des Handwerksrechtes mit der Lockerung des Meisterzwangs ist ihnen ein Dorn im Auge. Existenzgründer, die sich auf das neue Recht berufen, müssen sich auf "Kammerterror" gefasst machen. Die Autoren zeigen dies anhand von gut recherchierten Beispielen.
Der Film deckt in verständlicher und nachvollziehbarer Art und Weise auf, wo die Reform des Handwerksrechtes Schwachstellen hat - vor allem bürokratischer Natur.
Und er macht klar, dass Kammern alles andere als unabhängige Handwerksexperten sind, als die sie die Gerichte ansehen - sondern unverhohlene Interessensverfechter ihrer zahlenden Mitglieder.
Somit zeichnet sich der Beitrag durch eine hohe Relevanz aus - für Mittelstand, Existenzgründer und Verbraucher - und für alle Freunde der freien Marktwirtschaft.
Für seinen Film "Wenn alle anpacken", gesendet am 2. September 2006 im SWR, erhält der Dokumentarfilmer Peter Kemnitzer den 3. Preis.
Familienbetriebe machen selten Schlagzeilen, es sei denn, ein Familien-Clan zerbricht beim Streit um das Firmenerbe und teilt sich in mindestens zwei unversöhnliche Lager. Läuft der Laden jedoch, ist es eher ruhig und die Öffentlichkeit erfährt nichts Negatives, aber nur sehr selten Positives. So wie zum Beispiel in dem Film "Wenn alle anpacken" von Peter Kemnitzer: Er zeigt zwei Betriebe, bei denen wirklich "alle anpacken" und zwar zwei völlig unterschiedliche: ein Restaurant, der Klassiker sozusagen unter den familiär geführten Unternehmen, und einen mittelständischen Bürstenhersteller. Beiden geht es offenbar gut und warum das so ist und welche Rolle dabei die Familie spielt, das zeigt der Autor sehr eindrücklich in seinem kurzweiligen Doppelporträt mit interessanten Fakten und schönen Bildern. Firmenporträts, in denen es nicht um Bilanzen, Aufsichtsräte und Aktienkurse geht, sondern um Netzwerke, Kinder und Freundschaften. Hier zählt nicht das teuere Gutachten, sondern der gute Rat, nicht die schnelle Rendite, sondern das langfristige Überleben. Das ist nicht spektakulär, aber doch sehr spannend, weil man eine Ahnung davon bekommt, welche Werte und Strategien auch zum wirtschaftlichen Erfolg führen können, wenn auch nicht ins mediale Rampenlicht. Der Sender ist zu loben, der Platz hat und Geld auch für solche Geschichten und vor allem der Autor Peter Kemnitzer, der diese nicht leichte Aufgabe sehr unterhaltsam und gleichzeitig sehr lehrreich gelöst hat.
Der Beitrag "Der digitale Graben" von Yasmin El-Sharif, erschienen im Magazin Berlin Maximal im Mai 2007, gewinnt den Sonderpreis IT und Mittelstand.
Frau El-Sharif hat diese Wettbewerbsthema exakt und ideal beschrieben und umgesetzt.
Sie hat es mit einem konkreten Statement und mit der Beschreibung eines betroffenen Mittelständlers geschafft, das gesamte Spannungsfeld des Mittelstandes - "Eigener Internetauftritt??" "Ja klar!" oder "Für uns ist das doch nichts." - auf einen Nenner zu bringen.
Sie hat das Thema des "Digitalen Grabens" sehr gut gewählt und mit tollen, praktischen und verständlichen Beispielen die Situation ("Gräben") aufgezeigt. Der Leser sieht den Nutzen des Internetauftritts und bringt den Leser zum Nicken: "Ja, klar!"
Auch der wirtschaftliche Hintergrund, die Relevanz des Themas, wird ausgezeichnet anhand von prägnanten Beispielen dargestellt. Dem Leser wird so deutlich gemacht, welche Bedeutung und welche Auswirkungen der Internetauftritt hat.
Der Leser bleibt nicht nur neutraler Leser und Beobachter, sondern schlägt sich mehr und mehr auf die Seite der Befürworter, weil er sich von der Darstellung hier gut überzeugen lassen kann und lässt. Diese Wandlung von einem kritischen Beobachter zum Befürworter, von dem "vor-dem-Graben-Kapitulierenden" und dem "Brückenbauer" ist in diesem Beitrag sehr gut gelungen.
Die gesamte Darstellung und Bearbeitung zeugt von einer sehr gewissenhaften Recherche, von einer breiten Aufbereitung und einer sehr guten Qualität, die Frau El-Sharif hier mit mit diesem Preis belohnt wird.
Der Journalistenwettbewerb wurde unterstützt von der WISTA Management AG, der Deutschen Post, Air Berlin, Germanwings, Eplus sowie MP-Tec. Der Sonderpreis IT und Mittelstand wird präsentiert von Symantec.
Weitere Infos zum Wettbewerb erhalten Sie unter: www.journalistenwettbewerb.de
22.01.2008
Von: wbpr Potsdam